Saturday, May 06, 2006

vorletzter Tag in Taiwan

Vor dem Ende eines weiteren anstrengenden Tages genieße ich die Gedanken an einen schönen Abend mit einer ganz lieben taiwanischen Familie. Es ist 22:30, und ich komme eben von meinem Lieblingsplatz in Taipei zurück, dem Longshan-Tempel, den ich zum Abschied noch einmal besuchen musste. Der Longshan-Tempel gilt als Taiwans größtes buddhistisch/taoistisches Heiligtum. Man wundert sich immer wieder, dass es auch Religionen gibt, die ihren Anhängern so viel zu bieten haben, dass diese tagaus tagein massenhaft herbei strömen, um ihre jeweiligen Heiligen bzw. Buddhas um das Bestehen einer Prüfung, um Kindersegen, Gesundheit, einen guten Lebenspartner oder um Ehrlichkeit im Geschäftsleben zu bitten. Einer der Buddhas - eine mütterliche Frauenfigur - beschützt die Fischer auf See. Zu ihrer Linken steht eine fürchterlich anzusehende Monsterfigur mit üblen Hauern, die mit den Händen die Augen beschattend ganz weit in die Ferne schaut. Zur Rechten leistet ihr eine ähnliche Figur Gesellschaft, die aber mit der Hand am Ohr unendlich weit hören kann. Beide hören bzw. sehen auch den entferntesten Seefahrer in Not und sagen dem Mutterbuddha Bescheid, auf dass er/sie zur Rettung kommt. Beide hören und sehen aber auch schlechte Taten der Fischermänner und berichten dem Rettungsbuddha, der daraufhin fürchterliche Strafen verhängt. Insgesamt eine malerischere und anschaulichere Konstruktion zur Bewahrung der Werte als unsere doch etwas drögen Kirchen mit ihren staubigen Heiligen-Buddhas!

Nett war der Abend, weil mich nach meinem Vortrag am Samstag vor einer Woche einer der Teilnehmer für heute zum Abendessen eingeladen hatte. Man denkt immer o Gott, das wird aber steif und möchte sich am liebsten herausreden. Dann siegt aber die Neugier, zum Glück. An der verabredeten Stelle erwartete mich dann der Mann plus Ehefrau mitsamt Tochter und Boyfriend, und man führte mich zu einem von Taipeis berühmtesten Restaurant, dem Tan Tsi Noodelhouse. Das Essen war großartig - dutzende verschiedene Leckereien, vieles davon herrlich angedünstetes Grüngemüse in dutzendfach unterschiedicher Zubereitung. Kein Öl, kein Fritierfett... Dazu Dumplings aus Reisteig mit je einer Krabbe und Schweinegehacktem darin. Ein Teller mit gebackenen Austern, dazu Shrimps, und ich weiß nicht was noch alles. Eines leckerer als das andere. Der Abend wurde nett und entspannt... die Tochter hatte in der Schule deutsch gelernt, wir unterhielten uns dann alle auf Englisch, was nur Boyfriend nicht recht beherrschte. Alle waren unendlich herzlich und bemüht, es dem Gast auf ganz unverkrampfte Weise angenehm zu machen. Alles ist locker und angenehm. Selbst von der Kleidung her macht jeder was er will, keiner meint, eine Rolle spielen oder sich nach irgendeinem Standard kleiden zu müssen.
Als ich sagte, ich wollte noch kurz zum Longshan-Tempel und dann noch auf der studentischen Abschiedsparty in der Uni tschüss sagen, bestanden sie darauf, mich auch noch zum Longshan Tempel zu begleiten. Eigentlich hatte ich allein dort sein wollen, aber bei so viel unverkrampfter Freundlichkeit kann man dann einfach nicht nein sagen. So war auch das noch schön, weil sie mir alle noch viel mehr über die Dinge im Tempel sagen konnten als das, was ich bisher schon wusste.
Spaß macht auch, dass man dank unseres vorbereitenden Chinesischunterrichts beim Einkaufen schon die Zahlen versteht, die wichtigsten Redewendungen beherscht und etliche Zeichen lesen kann und ich mich inzwischen so normal in Taipei bewege wie z.B. in Holland. Dies ist schon der vierte Besuch in Taipei seit 1999, davon drei mit Studentengruppen und Workshops.

Morgen geht's dann auf unsere Sonntagstour ans Meer  und durch die tropisch-grünen taiwanischen Berge. Und Montag fährt uns der Bus schon um 6h30 zum Flughafen. Von dort dann erst nach Hongkong, und von Hongkong per Eisenbahn nach Guangzhou in China. Viele sagen, es sein hier so schön und Taipei sei so angenehm und vielseitig, dass sie wiederkommen wollen und dass es schade sei, schon abreisen zu müssen. Bald wird das aber die Neugier auf das große China überdecken, und dann werden wir mal sehen, wie das im Vergleich zu Taiwan abschneidet. Es hat mir hier auch noch nie so gut gefallen wie dieses Mal. Immerhin gibt es hier eine Partnerhochschule, und wer das alles länger genießen will, wird hier bestens betreut. Und ernährt.

prof

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